Zwischenfall am Flughafen
Bruchlandung eines Oldtimer-Doppeldeckers legt den Findel für Stunden lahm
Eine Antonow An-2 von 1968 kam am Sonntag auf Luxemburgs einziger Start- und Landebahn von der Piste ab. Alle zwölf Insassen blieben unverletzt – doch die Sperrung traf rund 5.200 Reisende.
Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

Ein einziges festsitzendes Flugzeug genügte, um am Sonntagnachmittag den gesamten Luftverkehr über Luxemburg zum Erliegen zu bringen. Eine historische Antonow An-2 verfehlte bei der Landung auf dem Findel die saubere Aufsetzlinie, kam von der Piste ab und blieb mit erheblichen Schäden auf dem Asphalt liegen. Weil der Flughafen nur über eine einzige Start- und Landebahn verfügt, stand der Betrieb für mehrere Stunden still – ausgerechnet zum Beginn der Sommerreisesaison, in der die Maschinen ohnehin voll ausgelastet sind.
Der Doppeldecker, Baujahr 1968 und betrieben vom luxemburgischen Liebhaberverein Antonov Frënn Lëtzebuerg, setzte kurz nach 16 Uhr am 21. Juni 2026 hart auf. Nach Angaben des Grossherzoglichen Rettungskorps CGDIS geriet die einmotorige Maschine beim Aufsetzen ins Schleudern, drehte sich um die eigene Achse, und ein Teil des Fahrwerks brach weg. An Bord waren zwölf Menschen – sie alle konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden.
Eine Piste, kein Ausweichmanöver
Der Findel ist Luxemburgs einziger Verkehrsflughafen und besitzt nur eine Bahn. Jedes Hindernis auf der Piste bringt deshalb sofort jeden Start und jede Landung zum Stillstand. In dem Moment, in dem die An-2 quer zum Stehen kam, setzten die Lotsen den Betrieb aus; der Flughafen war als An- und Abflugort faktisch geschlossen, bis die Maschine geborgen werden konnte.
Das CGDIS teilte mit, das Flugzeug von 1968 habe „im Moment der Landung eine Drehung um die eigene Achse vollführt". Die luxemburgische Verwaltung für technische Untersuchungen (AET) hat eine Untersuchung eingeleitet; die Ursache ist bislang unbekannt. Auf Luftfahrt spezialisierte Medien berichteten, der Doppeldecker habe mit einer Tragfläche die Bahn berührt und das linke Hauptfahrwerk sei eingeknickt. Der Betreiber lux-Airport erklärte, die Maschine habe die Pistenoberfläche beschädigt, bevor sie zum Stehen kam; die Bahn wurde anschliessend inspiziert, gereinigt und für voll betriebsbereit erklärt.
Die An-2 ist auf einem modernen Verkehrsflughafen ein ungewöhnlicher Anblick: ein stoffbespannter Doppeldecker mit Sternmotor, das grösste in Serie gebaute Flugzeug seiner Bauart weltweit, mit einem Leergewicht von rund 3.300 Kilogramm. Lokale Berichte beschrieben den Flug vom Sonntag als Rundflug mit einem Dutzend Menschen an Bord.
Bergung in weniger als drei Stunden
Mit blockierter Piste an einem Sommersonntag galt nur eines: so schnell wie möglich wieder öffnen. Feuerwehrleute der Wache CIS Findel, Teil des CGDIS, hoben den beschädigten Doppeldecker mit einem Containerstapler an und schafften ihn weg; die Bodenabfertigungsfirma LuxCargo Handling stellte das schwere Gerät für die Bergung bereit.
Der Einsatz war in weniger als drei Stunden abgeschlossen. Gegen 18 Uhr rollten die ersten Abflüge wieder, ab etwa 20 Uhr nahm der Verkehr schrittweise wieder Fahrt auf. Alexander Flassak, Geschäftsführer von lux-Airport, hob das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure am Flughafen hervor – betonte aber zugleich, dass der Ausgang weit schlimmer hätte ausfallen können.
Die wichtigste Nachricht in einem solchen Fall ist, dass keine der zwölf Personen an Bord verletzt wurde.
Die Bergung habe „klar gezeigt, wie sich die verschiedenen Akteure am Flughafen gegenseitig unterstützen", sagte Flassak und verwies ausdrücklich auf das von LuxCargo Handling geliehene schwere Gerät.
Tausende Reisende sassen fest
Die Folgen für den Linienverkehr waren erheblich. Nach den von Flassak genannten Zahlen wurden durch die Sperrung insgesamt 66 Flüge verspätet, umgeleitet oder gestrichen – und der Preis für die Passagiere war hoch.
„Rund 5.200 Passagiere waren betroffen, was einem Drittel des ursprünglich für Sonntag geplanten Verkehrsaufkommens entspricht", so der lux-Airport-Chef.
Unter den Umleitungen wurden drei nach Luxemburg eingehende Luxair-Flüge ins belgische Lüttich umgeleitet:
- Flug LG5554 aus Oslo;
- Flug LG9514 aus Hamburg;
- Flug LG6996 aus Mailand.
Die Streichungen zogen sich quer durch das europäische Streckennetz: Betroffen waren unter anderem Verbindungen nach Amsterdam, Wien, Barcelona, Paris, Frankfurt, Zürich, Warschau, München, Kopenhagen und Istanbul. Manche Reisende berichteten von langem Warten mit wenig Informationen, ehe ihre Flüge abgesagt wurden.
Warum eine einzige Bahn so verwundbar macht
Der Vorfall führt die strukturelle Schwäche des Findel vor Augen. Als Luxemburgs einziger Verkehrsflughafen mit nur einer Bahn besitzt er keine zweite Piste, die einen Zwischenfall auffangen könnte. Eine Blockade, die an einem Drehkreuz mit mehreren Bahnen nur örtliche Verspätungen verursachen würde, legt hier den gesamten Betrieb still. Am ersten Wochenende der Sommerferien, wenn der Urlaubsverkehr seinen Höhepunkt erreicht, genügten wenige Stunden Sperrung, um Dutzende Rotationen und Tausende Reisepläne durcheinanderzubringen.
Vorerst ist die Maschine geborgen, die Bahn wieder geöffnet und der reguläre Flugplan wiederhergestellt. Die technische Untersuchung der AET soll klären, warum ein bekannter Oldtimer-Doppeldecker auf einer der meistbefahrenen Einzelbahnen Europas verunglückte.
Häufig gefragt
- Was geschah am 21. Juni 2026 am Flughafen Findel?
- Eine historische Antonow An-2, Baujahr 1968, kam bei der Landung von der Piste ab. Laut CGDIS drehte sich die Maschine beim Aufsetzen um die eigene Achse, ein Teil des Fahrwerks brach weg, und sie blieb mit erheblichen Schäden auf der Bahn liegen.
- Wurde jemand verletzt?
- Nein. Alle zwölf Menschen an Bord wurden unverletzt evakuiert. lux-Airport-Chef Alexander Flassak nannte dies die wichtigste Nachricht des Tages.
- Wie viele Flüge und Passagiere waren betroffen?
- Nach Angaben von lux-Airport wurden insgesamt 66 Flüge verspätet, umgeleitet oder gestrichen. Rund 5.200 Passagiere – etwa ein Drittel des für Sonntag geplanten Verkehrs – waren betroffen.
- Warum legte ein einzelnes Flugzeug den gesamten Betrieb lahm?
- Der Findel ist Luxemburgs einziger Verkehrsflughafen und besitzt nur eine Start- und Landebahn. Ein Hindernis auf der Piste bringt deshalb sofort jeden Start und jede Landung zum Stillstand, bis es beseitigt ist.
Quellen(8)
- 1Findel: un avion accidenté perturbe 66 vols et 5 200 passagersL'essentiel · lessentiel.lu
- 2Aéroport du Luxembourg: L'avion accidenté évacué, le trafic a repris au FindelL'essentiel · lessentiel.lu
- 3Findel: le CGDIS dégage un avion Antonov bloqué sur la piste en moins de 3hL'essentiel · lessentiel.lu
- 4Findel : la piste fermée après l'atterrissage raté d'un petit avion privéLe Quotidien · lequotidien.lu
- 5Findel : après l'incident, la piste d'atterrissage a rouvertLe Quotidien · lequotidien.lu
- 6Incident Antonov An-2T SP-AOO, Sunday 21 June 2026Aviation Safety Network · aviation-safety.net
- 7Flights diverted at Luxembourg after small plane misses landingAviation24.be · aviation24.be
- 8Runway closure at Luxembourg Findel after failed light aircraft landingAviation24.be · aviation24.be



