Deutsche Nationalmannschaft
Nagelsmann tritt zurück – DFB will Gespräche mit Klopp führen
Vier Tage nach dem WM-Aus gegen Paraguay gibt Julian Nagelsmann sein Amt auf. Der DFB will umgehend Gespräche mit Jürgen Klopp führen – der offenbar bereitsteht.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Es dauerte nur vier Tage, dann war die Kehrtwende vollzogen. Noch in der Nacht der Niederlage hatte Julian Nagelsmann trotzig verkündet, er sei "keiner, der wegläuft". Am Freitag trat der 38-Jährige als Bundestrainer zurück – und beendete damit eine dreijährige Amtszeit, die einen Neuanfang versprochen und am Ende doch nur das nächste frühe Turnier-Aus geliefert hatte. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte den Rückzug und kündigte an, unverzüglich Gespräche mit Jürgen Klopp über die Nachfolge aufzunehmen.
Zwischen dem öffentlichen Bekenntnis zum Weitermachen und dem Rücktritt lag eine lange Sitzung der DFB-Spitze in Frankfurt. Danach war die einvernehmliche Trennung besiegelt. Der Verband stellte klar, Nagelsmann habe selbst um die Auflösung gebeten; Führung und Aufsichtsgremium hätten zugestimmt. Auch seine Co-Trainer Benjamin Glück und Benjamin Hübner verlassen ihre Posten.
Ein Elfmeterschießen, das eine Ära beendet
Zerbrochen war das deutsche Turnier am 29. Juni im Boston Stadium in Foxborough im US-Bundesstaat Massachusetts. Gegen Paraguay stand es nach Verlängerung 1:1, ehe die Südamerikaner das Elfmeterschießen mit 4:3 für sich entschieden. Julio Enciso hatte seine Mannschaft in der 42. Minute in Führung gebracht, Kai Havertz glich in der 54. Minute aus. In der Verlängerung erkannte der Videobeweis einen Kopfball von Jonathan Tah ab. Im Elfmeterschießen scheiterten dann sowohl Havertz als auch Nick Woltemade an Paraguays Torhüter Orlando Gill, ehe Tah seinen Versuch weit über das Tor jagte.
Es war das erste WM-Elfmeterschießen, das Deutschland überhaupt verlor – ein gnadenloses Ende für eine Nation, die den Pokal viermal in die Höhe gestemmt hat, zuletzt 2014. Havertz, schon 2022 früh ausgeschieden, machte anschließend keinen Hehl aus seiner Verzweiflung.
"Meine zweite WM, und wir haben es zweimal vergeigt. Ich kann nur sagen: Es tut mir leid."
Nagelsmanns eigene Analyse fiel nüchterner aus. "Wir haben einfach zu lange gebraucht, um über die Außen ins Spiel zu kommen", sagte er. "Wir hatten die Kontrolle, aber uns fehlte die letzte Konsequenz." Damals gab er sich noch kämpferisch und ließ wissen, er werde weitermachen, wenn der Verband das wolle.
Vom Trotz zum Rücktritt
Diese Entschlossenheit überlebte die Woche nicht. In seiner Abschiedserklärung deutete Nagelsmann den Schritt als Dienst an der Mannschaft, nicht als Flucht.
"Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen", sagte er. "Der Erfolg der Mannschaft stand für mich immer an oberster Stelle." Nach einer "so schmerzhaften Enttäuschung" verdiene das Team die Chance auf einen echten Neuanfang, fügte er hinzu und entschuldigte sich bei den Fans für ein frühes Aus, das ihnen "keine weiteren Fußball-Nächte bei dieser WM" beschert habe.
Im September 2023 hatte Nagelsmann eine Mannschaft in Unordnung übernommen und ihr ein Stück Selbstvertrauen zurückgegeben. Bei der Heim-Europameisterschaft 2024 führte er das Team ins Viertelfinale, wo es dem späteren Sieger Spanien knapp unterlag. Auf Basis dieses Laufs war sein Vertrag bis zur EM 2028 verlängert worden. Die zweite WM-Blamage in Folge aber gab den Ausschlag.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf würdigte den scheidenden Trainer. "Der Deutsche Fußball-Bund dankt Julian Nagelsmann ausdrücklich für seine Arbeit seit September 2023."
Warum es der DFB mit Klopp versuchen will
Die Aufmerksamkeit richtete sich rasch – und unmissverständlich – auf einen einzigen Namen. In derselben Mitteilung ließ der Verband seine klare Präferenz für die Nachfolge erkennen:
"Bezüglich der Bestellung eines neuen Trainers wird die DFB-Führung nun das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat seine grundsätzliche Bereitschaft, die Aufgabe zu übernehmen, bereits signalisiert."
Klopp, 59, gilt seit Langem als emotionale wie strategische Wunschlösung für das Amt. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool verließ Anfield 2024 nach fast neun Jahren, in denen er die Champions League und die Premier League gewann; seither ist er als weltweiter Fußballchef bei Red Bull tätig. Mehrfach hatte er betont, den Job der Nationalmannschaft aus den richtigen Gründen in Betracht zu ziehen.
Entscheidend: Die praktischen Hürden erscheinen überwindbar. Mehreren deutschen Medien zufolge – darunter Sky-Reporter Florian Plettenberg – enthält Klopps Red-Bull-Vertrag eine Ausstiegsklausel, die exakt auf diesen Fall zugeschnitten ist und ihm den Wechsel erlaubt, sollte der DFB anfragen. Für Klopp wäre es die Rückkehr an die Seitenlinie – erstmals seit seiner Zeit in Liverpool.
Worüber der DFB entscheidet, ist nicht bloß eine Personalie, sondern ein Neustart. Die Ausgangslage des deutschen Fußballs macht das deutlich:
- Eine talentierte Generation scheiterte bei drei der vergangenen vier großen Turniere vor dem Halbfinale – inklusive des Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022.
- Der nächste WM-Zyklus reicht bis 2030 und gäbe einem neuen Trainer Zeit zum Umbau – doch zunächst wartet die EM 2028.
- Eine Verpflichtung Klopps brächte sofortigen Rückhalt in der Öffentlichkeit, wie ihn kaum ein anderer Kandidat bieten könnte.
Vorerst hat der Verband einen prominenten Namen und einen grundsätzlich willigen Kandidaten – aber keine Einigung. Die Gespräche mit Klopp sollen ohne Verzögerung beginnen. Wer das Amt übernimmt, erbt ein stolzes, aber angeschlagenes Programm – und die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deutschlands frühe WM-Enden nicht zur Gewohnheit werden.
Häufig gefragt
- Warum ist Julian Nagelsmann zurückgetreten?
- Nach dem Aus im Achtelfinale (Runde der letzten 32) der WM 2026 gegen Paraguay gab Nagelsmann sein Amt auf. Zunächst wollte er weitermachen, doch nach einer langen Sitzung mit der DFB-Führung in Frankfurt wurde die einvernehmliche Trennung vereinbart. Er begründete den Schritt mit dem Interesse der Mannschaft an einem echten Neuanfang.
- Wer soll neuer Bundestrainer werden?
- Der DFB nannte Jürgen Klopp als Wunschkandidaten und kündigte an, umgehend Gespräche zu suchen. Der 59-Jährige hat laut Verband seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert. Eine Einigung gibt es aber noch nicht.
- Wie verlief das WM-Spiel gegen Paraguay?
- Am 29. Juni 2026 in Foxborough stand es nach Verlängerung 1:1 (Enciso 42., Havertz 54.). Paraguay gewann das Elfmeterschießen mit 4:3; Havertz und Woltemade scheiterten an Torhüter Orlando Gill, Tah schoss über das Tor. Ein Tah-Kopfball war zuvor per Videobeweis aberkannt worden.
- Was hat Nagelsmann als Bundestrainer erreicht?
- Nagelsmann übernahm im September 2023 und führte Deutschland bei der Heim-EM 2024 ins Viertelfinale, wo das Team dem späteren Europameister Spanien unterlag. Sein Vertrag lief bis zur EM 2028.
Quellen(9)
- 1Julian Nagelsmann resigns as Germany head coach after shock World Cup exit with Jurgen Klopp 'ready' to take overSky Sports · skysports.com
- 2Nagelsmann quits as Germany coach after early World Cup 2026 exitAl Jazeera · aljazeera.com
- 3Germany part ways with head coach Julian Nagelsmann and look to appoint Jürgen KloppBundesliga.com · bundesliga.com
- 4Julian Nagelsmann steps downFIFA · fifa.com
- 5World Cup 2026: Germany 1-1 Paraguay (3-4 on penalties) - Four-time winners dumped out in stunning last-32 exitSky Sports · skysports.com
- 6Germany 1-1 Paraguay (Jun 29, 2026) Game AnalysisESPN · espn.com
- 7Reaction from Germany's shootout defeat to Paraguay at the FIFA World Cup 2026Bundesliga.com · bundesliga.com
- 8Nagelsmann says 'team deserves a new start' after Germany's 'disappointing performance'; DFB eye Jurgen Klopp as successorANI News · aninews.in
- 9Germany confirm Jurgen Klopp talks after Julian Nagelsmann resignationGoal.com · goal.com
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