Erinnerungskultur

Denkmal für Großherzog Jean: Auftrag geht an Jonas Ademes

Die Regierung vergibt den Auftrag für ein lebensgroßes Standbild des 2019 verstorbenen Großherzogs an den deutschen Bildhauermeister. Es soll Mitte 2027 im Parc Pescatore enthüllt werden.

Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

Der Parc Pescatore im Parc Municipal Édouard André der Stadt Luxemburg, künftiger Standort des Denkmals für Großherzog Jean, mit Blick auf das Kirchberg-Plateau.
Der Parc-Pescatore-Abschnitt des Parc Municipal Édouard André in der Stadt Luxemburg – nahe dem gläsernen Panoramaaufzug zum Pfaffenthal und mit Blick auf den Kirchberg – wo das Denkmal für Großherzog Jean stehen soll. Illustrative, KI-generierte Darstellung. Illustration: KI-generiert — Status

Luxemburg weiß nun, wessen Hand einem seiner meistverehrten Landesväter dauerhafte öffentliche Gestalt geben wird. Am 3. Juli 2026 gab die Regierung bekannt, dass der Auftrag für ein Denkmal zu Ehren des 2019 verstorbenen Großherzogs Jean an den deutschen Bildhauermeister Jonas Ademes vergeben wurde. Er soll das Standbild entwerfen, ausführen und aufstellen.

Der vom Regierungsrat unter Premierminister Luc Frieden getroffene Beschluss beendet einen mehr als ein Jahr zuvor ausgeschriebenen Wettbewerb. Bemerkenswert ist vor allem die Grundidee: Die Figur zeigt Jean nicht in den Insignien eines Staatsoberhaupts, sondern in Zivilkleidung, lebensgroß und ungefähr auf Augenhöhe. Nicht der Monarch soll dem Betrachter gegenübertreten, sondern der Mensch.

Vom Aufruf bis zur Entscheidung

Im Juni 2025 hatte der Staat einen öffentlichen Bewerberaufruf gestartet und professionelle bildende Künstler eingeladen, eine Skulptur oder Büste Großherzog Jeans (1921–2019) vorzuschlagen, der von 1964 bis 2000 regierte. Einreichungsschluss war der 16. Juli 2025 über das öffentliche Vergabeportal pmp.lu. Der Wettbewerb verlief in drei Phasen:

  • In der ersten Runde wurden die Bewerbungen geprüft und fünf bis zehn Kandidaten in die engere Auswahl genommen.
  • In der zweiten Runde entwickelten diese Finalisten Vorentwürfe – jeder erhielt eine Pauschale von 3.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer für Studien- und Präsentationskosten – aus denen ein Auswahlausschuss den Sieger bestimmte.
  • Die dritte Phase umfasst Ausführung und Aufstellung.

Ademes' Vorschlag überzeugte, so die Regierung, durch handwerkliche Sorgfalt ebenso wie durch seine Lesart des Menschen. In ihrer Mitteilung würdigte die Regierung am Projekt dessen

künstlerische Qualität, seine große Treue zur Gestalt Großherzog Jeans sowie seine Fähigkeit, Wesenszüge jenseits der bloßen Erscheinung sichtbar zu machen.

Ademes wurde 1991 im nahe der luxemburgischen Grenze gelegenen Bitburg geboren, ist 35 Jahre alt und lebt in Aschaffenburg. Er wuchs in Grenznähe auf und hat einen persönlichen Bezug zum Land: Seine Großmutter stammte aus Medernach im Zentrum des Großherzogtums. Ausgebildet in Deutschland und Italien, wo er mit renommierten Werkstätten zusammenarbeitete, trägt er den Titel eines Bildhauermeisters.

Der Mensch hinter der Figur

Bei der Ausschreibung ging es ebenso sehr um den Ton wie um die Technik. Statt eines fernen Machtsymbols wünschte sich die Regierung ein Werk, das Nähe vermittelt – jene Bescheidenheit, Güte und jenen Sinn für das Gemeinwohl, die viele Luxemburger mit Jean verbinden. Indem es ihn in Alltagskleidung und im menschlichen Maßstab zeigt, will das Denkmal zu einer vertrauten, unaufgeregten Begegnung mit seinem Andenken einladen.

Diese Deutung entspricht dem öffentlichen Bild eines Souveräns, den man weniger für Zeremonien als für seinen Dienst in Erinnerung behält. Schon im Bewerberaufruf vom Juni 2025 nannte die Regierung ihn einen „überzeugten Europäer und klugen Diplomaten“. Als junger Thronfolger meldete sich Jean im Zweiten Weltkrieg freiwillig zu den Irish Guards der britischen Armee, nahm im Juni 1944 an der Landung in der Normandie teil und marschierte im September desselben Jahres bei der Befreiung seines eigenen Landes mit. Von 1964 an stand er über Jahrzehnte an der Spitze eines Luxemburg, das sich zu einem wohlhabenden internationalen Finanzplatz wandelte, ehe er 2000 zugunsten seines Sohnes Henri abdankte. Als er im April 2019 im Alter von 98 Jahren starb, ordnete das Land Tage der Staatstrauer an.

Ein Standort mit Weitblick

Aufgestellt wird das Denkmal in der Stadt Luxemburg, im Abschnitt Parc Pescatore des städtischen Parc Édouard André, zwischen der Fondation Pescatore und dem gläsernen Panoramaaufzug, der ins Pfaffenthal hinabführt. Der Ort ist mit Bedacht gewählt: Von dort blickt die Figur über den Park hinweg in Richtung Eich, der Trois Glands, des Mudam und der Türme auf dem Kirchberg-Plateau – das moderne Luxemburg, das während Jeans Regentschaft heranwuchs.

In dieser Wahl liegt ein weiterer Anklang. Das Mudam – offiziell Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean – trägt bereits seinen Namen, sodass das Standbild auf eine ihm gewidmete Institution hinausblickt. Die Arbeiten sollen in den kommenden Monaten beginnen, die Einweihung ist für Mitte 2027 vorgesehen. Die Gesamtkosten des Projekts wurden nicht veröffentlicht; über die 3.000 Euro je Finalist für dessen Entwurf hinaus nannte die Regierung keine Budgetsumme.

Aufnahme in ein kleines Pantheon

Für ein kleines Land geht Luxemburg sorgsam damit um, wen es in Bronze gießt, und das neue Werk reiht sich in ein überschaubares, aber pointiertes Ensemble öffentlicher Denkmäler der Hauptstadt ein. Am bekanntesten ist die Gëlle Fra, das vergoldete Kriegerdenkmal von 1923 auf der Place de la Constitution. Am nächsten steht ihm im Geist das Standbild der Großherzogin Charlotte – Jeans Mutter und selbst ein Sinnbild des Widerstands in Kriegszeiten – eine 2,75 Meter hohe Bronze des französischen Bildhauers Jean Cardot, 1990 auf der Place de Clairefontaine enthüllt.

Jean in diese Gesellschaft aufzunehmen, ist ein wohlüberlegter Akt nationaler Erinnerung. Seine Mutter wird mit ausgestrecktem, einladendem Arm dargestellt; der Entwurf für Jean ist stiller und bodenständiger – eine Gestalt, der man fast auf einem Parkweg begegnen könnte. Ob die fertige Skulptur diese Vertrautheit erreicht, wird sich erst mit der Enthüllung zeigen. Der von der Regierung klar benannte Vorsatz aber lautet, einer verbindenden Persönlichkeit mit ebenso zurückhaltenden Mitteln ein Denkmal zu setzen, wie es dem Ruf entspricht, den sie hinterließ.

Häufig gefragt

Wer ist Jonas Ademes?
Ein 1991 im deutschen Bitburg geborener Bildhauermeister, der in Aschaffenburg lebt. Er wuchs nahe der luxemburgischen Grenze auf, seine Großmutter stammte aus Medernach, und er wurde in Deutschland und Italien ausgebildet.
Wo wird das Denkmal für Großherzog Jean stehen?
Im Abschnitt Parc Pescatore des städtischen Parc Édouard André in der Stadt Luxemburg, zwischen der Fondation Pescatore und dem Panoramaaufzug zum Pfaffenthal, mit Blick in Richtung Kirchberg und Mudam.
Wann wird das Standbild eingeweiht?
Die Arbeiten beginnen in den kommenden Monaten, die Einweihung ist für Mitte 2027 vorgesehen.
Was kostet das Projekt?
Die Gesamtkosten wurden nicht öffentlich gemacht. Bekannt ist nur die Pauschale von 3.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer, die jeder Finalist für seinen Vorentwurf erhielt.
Quellen(8)
  1. 1Jonas Ademes Selected to Design Monument in Memory of Grand Duke JeanChronicle.lu · chronicle.lu
  2. 2Un monument en mémoire de S.A.R. le Grand-Duc JeanVille de Luxembourg (vdl.lu) · vdl.lu
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  6. 6Call for Artists: Design, production and installation of a monument in memory of HRH the Grand Duke JeanArtJobs / État du Grand-Duché de Luxembourg · artjobs.com
  7. 7Jean, Grand Duke of LuxembourgWikipedia · en.wikipedia.org
  8. 8Grand Duchess Charlotte (statue, Place de Clairefontaine)Luxembourg City Tourist Office · luxembourg-city.com

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