Golfkrise
Doha-Runde bringt Bewegung bei Irans eingefrorenen Milliarden – die Hormus-Frage bleibt ungelöst
Zwei Tage indirekter Verhandlungen in Katar enden ohne Einigung über die Kontrolle der Meerenge. Bei den eingefrorenen Geldern gibt es Fortschritte – weiter geht es erst nach Chameneis Trauerfeiern.
Von Camille Reuter · · 6 Min. Lesezeit

Kein Handschlag, nicht einmal ein gemeinsamer Verhandlungstisch: Als Amerikaner und Iraner am 2. Juli in Doha zwei Tage lang über die Zukunft der Straße von Hormus verhandelten, saßen die Delegationen zu keinem Zeitpunkt im selben Raum. Katarische und pakistanische Vermittler pendelten zwischen den Seiten – und am Ende stand nach Angaben Katars zwar „positiver Fortschritt“, aber keine Antwort auf die Frage, die über der brüchigen Ruhe am Golf schwebt: Wer bestimmt künftig über die wichtigste Ölader der Welt? Die Märkte zogen ihre eigenen Schlüsse und schickten den Ölpreis auf den tiefsten Stand seit Kriegsbeginn Ende Februar.
Auf amerikanischer Seite führten der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten, die Gespräche in der katarischen Hauptstadt; beide trafen auch den Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, wie The National und Al Jazeera berichten. Teheran entsandte lediglich eine technische Delegation unter Leitung des stellvertretenden Außenministers Kazem Gharibabadi – Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf blieben der Runde fern.
Milliarden als Türöffner
Verhandelt wurde über zwei Säulen des 14-Punkte-Memorandums von Islamabad, das den viermonatigen amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran am 17. Juni beendet hatte: den Handelsverkehr durch die Straße von Hormus und finanzielle Anreize für Teheran. Die härteren Dossiers – allen voran das iranische Atomprogramm – wurden auf spätere Runden verschoben. In einer ersten Sitzung ging es nach Angaben von Al Jazeera um mutmaßliche Verstöße gegen das Memorandum; vereinbart wurde ein ständiger Kommunikationskanal zur Beilegung von Streitfällen. Eine zweite Sitzung befasste sich mit der Freigabe von sechs Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern. The National berichtete darüber hinaus von einer möglichen Verständigung über rund drei Milliarden Dollar an iranischen Vermögenswerten in Katar, die über die iranische Zentralbank für humanitäre Käufe zugänglich gemacht werden sollen – amerikanische Vertreter betonten allerdings, nichts sei abschließend vereinbart.
„Es wurde vereinbart, dass auf Grundlage der von unserem Land übermittelten Bedürfnisse die benötigten Güter gekauft und dem Iran zur Verfügung gestellt werden“, sagte Gharibabadi nach der Runde.
Das Memorandum, das Präsident Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian am 17. Juni aus der Ferne unterzeichnet hatten – Trump in Versailles nach dem G7-Gipfel, Peseschkian in Teheran, mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif als weiterem Unterzeichner –, steckt den Rahmen ab, den die Unterhändler in Doha nun ausfüllen sollen. Zu den Kernpunkten zählen:
- ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und ein 60-tägiges Verhandlungsfenster für ein endgültiges Abkommen;
- iranische Garantien für eine sichere, gebührenfreie Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus für 60 Tage;
- amerikanische Ausnahmegenehmigungen für iranische Ölexporte und Schritte zur Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte;
- ein Wiederaufbauplan von mindestens 300 Milliarden Dollar mit regionalen Partnern, so der veröffentlichte Text – eine Zahl, die Trump als Beschreibung einer Zusage der US-Regierung zurückgewiesen hat.
Mitte August läuft die Uhr ab
Ungelöst bleibt der Kern des Konflikts: Was geschieht, wenn die 60-tägige gebührenfreie Frist Mitte August ausläuft? Zwei ranghohe iranische Quellen erklärten, Teheran wolle von diesem Zeitpunkt an Durchfahrtsgebühren erheben; die am 5. Mai geschaffene iranische Behörde für die Meerenge am Persischen Golf beansprucht die Befugnis, den Schiffsverkehr zu „genehmigen und zu regulieren“. Trump hatte dagegen am 20. Juni erklärt, es werde „während oder nach der 60-tägigen Waffenruhe keine Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus geben“ – ein fundamentaler Gegensatz, den die Doha-Runde nicht ausgeräumt hat.
Umstritten ist die Passage nicht nur im Grundsatz, sondern auch in der Praxis. Das multinationale Joint Maritime Information Center kündigte am 27. Juni eine verbreiterte Schifffahrtsroute nahe der omanischen Küste an; kurz zuvor, am 25. Juni, hatte der Iran das unter Singapur-Flagge fahrende Containerschiff Ever Lovely angegriffen, am 27. Juni traf eine Drohne den unter Panama-Flagge fahrenden Tanker Kiku – worauf die USA mit Schlägen gegen iranische Militärstellungen nahe der Meerenge antworteten. Noch während der Gespräche warnte Irans Militär, Handelsschiffe müssten die von Teheran vorgegebenen Routen befolgen, andernfalls drohe eine „sofortige und entschiedene Antwort“, wie The National berichtete.
Die Ölmärkte setzen auf Entspannung
An den Rohstoffbörsen wurde die Runde als Beleg dafür gelesen, dass die Waffenruhe hält. Brent verbilligte sich am Donnerstag um 91 Cent oder 1,3 Prozent auf 70,66 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI gab um 1,04 Dollar oder 1,5 Prozent auf 67,54 Dollar nach – für beide der tiefste Stand seit Ende Februar, unmittelbar vor Kriegsbeginn, wie Reuters berichtete. Mindestens fünf Supertanker mit zehn Millionen Barrel saudischen Rohöls, geladen in Ras Tanura, haben die Meerenge inzwischen verlassen; Saudi Aramco stellte auf Spotpreise um, um die Verkäufe nach Asien zu beschleunigen. Schifffahrtsdaten zufolge stiegen die Passagen durch Hormus in der Woche vom 22. bis 28. Juni um mehr als 50 Prozent gegenüber der Vorwoche.
„Wir sehen hier ein wenig Eindeckung von Leerverkäufen“, sagte John Kilduff, Partner bei Again Capital. „Der Fokus hat sich verschoben: weg von der Frage, wie viel Angebot wir verlieren, hin zu der Frage, wie viel Angebot auf die Märkte kommt.“
Die Dimension bleibt gewaltig: Durch die Straße von Hormus laufen normalerweise rund ein Viertel des seewärtigen Ölhandels und etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Flüssigerdgases; ihre Sperrung in diesem Frühjahr gilt als die größte Störung der globalen Energieversorgung seit den Ölkrisen der 1970er-Jahre.
Trauerfeiern geben den Takt vor
Über allem steht der Machtwechsel in Teheran. Ajatollah Ali Chamenei war am 28. Februar bei den amerikanisch-israelischen Angriffen getötet worden; der Expertenrat bestimmte am 9. März seinen Sohn Mojtaba Chamenei zum dritten Obersten Führer der Islamischen Republik. Erst jetzt, da die Waffen schweigen, richtet der Staat das Begräbnis aus: sechs Tage Zeremonien vom 4. bis 9. Juli in Teheran, Ghom und Maschhad sowie in den irakischen Schreinstädten Nadschaf und Kerbela, mit der Beisetzung am 9. Juli am Imam-Reza-Schrein in Maschhad. Für den Trauerzug in Teheran am 6. Juli erwarten die Behörden 15 bis 20 Millionen Menschen. Der neue Oberste Führer – Berichten zufolge bei den Angriffen verwundet und seither nicht öffentlich aufgetreten – wird nach Angaben eines Repräsentanten aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen.
Die Diplomatie pausiert für die Trauer. „Die Parteien haben vereinbart, die Gespräche in der kommenden Zeit fortzusetzen; das nächste Treffen soll so bald wie möglich nach Abschluss der Trauerzüge für den früheren Obersten Führer des Iran angesetzt werden“, teilte das katarische Außenministerium mit.
US-Vizepräsident JD Vance zeigte sich unterdessen zuversichtlich: Die Regierung sei unabhängig vom Ausgang „in einer großartigen Position“, sagte er Fox News – und deutete zugleich die nächste, weit schwierigere Etappe an:
„Natürlich beunruhigt uns die Nuklearfrage – wir werden anfangen, darüber zu sprechen.“
— JD Vance, US-Vizepräsident, gegenüber Fox News
Damit bleibt ein enges Zeitfenster. Werden die Verhandlungen nach dem 9. Juli wieder aufgenommen, verbleiben den Unterhändlern rund fünf Wochen bis zum Ablauf der gebührenfreien Frist – die erste ernsthafte Bewährungsprobe dafür, ob die im Juni besiegelte Deeskalation den Führungswechsel im Iran überdauert und die wichtigste Ölroute der Welt offen bleibt.
Häufig gefragt
- Warum verhandelten die USA und der Iran in Doha nur indirekt?
- Die Delegationen trafen sich nie direkt: Katar und Pakistan pendelten als Vermittler zwischen dem US-Team um Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner und einer iranischen technischen Delegation unter Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi. Irans Chefdiplomaten blieben der Runde fern.
- Was regelt das Memorandum von Islamabad?
- Das am 17. Juni von Trump und Peseschkian aus der Ferne unterzeichnete 14-Punkte-Abkommen beendete die Kampfhandlungen und setzt ein 60-tägiges Verhandlungsfenster. Es garantiert 60 Tage gebührenfreie Durchfahrt durch die Straße von Hormus, sieht US-Ausnahmen für iranische Ölexporte, die Freigabe eingefrorener Gelder und laut Text einen Wiederaufbauplan von mindestens 300 Milliarden Dollar vor.
- Warum fällt der Ölpreis trotz der ungelösten Streitfragen?
- Die Märkte werten die fortgesetzten Gespräche als Zeichen, dass die Waffenruhe hält: Brent fiel um 1,3 Prozent auf 70,66 Dollar, WTI um 1,5 Prozent auf 67,54 Dollar – Viermonatstiefs. Mindestens fünf Supertanker mit saudischem Rohöl verließen die Meerenge, und die Hormus-Passagen stiegen um über 50 Prozent.
- Wann wird weiterverhandelt?
- Die nächste Runde soll laut Katars Außenministerium so bald wie möglich nach den Trauerfeiern für Ali Chamenei angesetzt werden, die vom 4. bis 9. Juli stattfinden. Danach bleiben bis zum Ablauf der gebührenfreien Frist Mitte August nur rund fünf Wochen.
Quellen(16)
- 1US and Iran conclude round of talks in Doha, focusing on Strait of HormuzThe National · thenationalnews.com
- 2US-Iran talks in Doha: What were the outcomes and what's next?Al Jazeera · aljazeera.com
- 3Oil falls to four-month low as US, Iran conclude talks in DohaReuters (via Investing.com) · za.investing.com
- 4As Doha Talks Conclude, Iran Asserts Control over Strait of HormuzThe Bridge Chronicle · thebridgechronicle.com
- 5July 2, 2026 — Iran issues fresh warning on Hormuz, Qatar talks make 'positive progress'CNN · edition.cnn.com
- 6July 1, 2026 — Meetings in Doha, Vance says talks 'going well'CNN · cnn.com
- 7US, Iran talks conclude in Doha, focused on Strait of Hormuz, frozen fundsBusiness Standard · business-standard.com
- 8Islamabad MemorandumWikipedia · en.wikipedia.org
- 9Read the full text of Trump's preliminary U.S.-Iran agreement to end the warNPR · npr.org
- 10Iran, US presidents sign deal to extend ceasefire, reopen Strait of HormuzAl Jazeera · aljazeera.com
- 112026 Strait of Hormuz crisisWikipedia · en.wikipedia.org
- 122025–2026 Iran–United States negotiationsWikipedia · en.wikipedia.org
- 13Iran names Mojtaba Khamenei as its new supreme leaderNPR · npr.org
- 14Ali Khamenei burial set for July 9 amid massive Iran security opsFox News · foxnews.com
- 15Live updates: Khamenei's casket on display as Iran prepares for days of huge funeral processionsCNN · cnn.com
- 16Islamabad Memorandum of Understanding between the United States of America and the Islamic Republic of Iran (full text)Wikisource · en.wikisource.org
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