Gesundheitspolitik

Luxemburg debattiert das Ende der Blutspende-Sperre für schwule und bisexuelle Männer

Ein Gesetzentwurf der LSAP-Opposition will die Zulassung zur Blutspende allein am individuellen Risiko bemessen – nicht an der sexuellen Orientierung. Der zuständige Ausschuss hat ihn aufgegriffen.

Von Léa Hoffmann · · 4 Min. Lesezeit

Blutspendestation des Luxemburger Roten Kreuzes mit Liegesessel, sich füllendem Blutbeutel auf einer Wippwaage und dem rotem Kreuz auf weißem Grund
Eine Blutspendestation des Centre de Transfusion Sanguine der Croix-Rouge luxembourgeoise: Spendersessel, sich füllender Blutbeutel auf der Wippwaage und das Emblem des Roten Kreuzes. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

In Luxemburg könnte eine Regel fallen, die sexuell aktive schwule und bisexuelle Männer seit Jahren von der Vollblutspende fernhält. Am Montag befasste sich der zuständige Parlamentsausschuss mit einem Gesetzentwurf, der die Zulassung zur Blutspende vom individuellen Risikoverhalten abhängig machen will – und nicht länger von der sexuellen Orientierung des Spenders.

Der Ausschuss für Gesundheit und soziale Sicherheit der Abgeordnetenkammer beriet den Gesetzentwurf Nr. 8738 am 29. Juni 2026. Eingebracht hatte ihn am 28. April die sozialistische Oppositionsabgeordnete und frühere Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP). Der Text ändert das luxemburgische Grundlagengesetz vom 15. März 1979 über die Bluttransfusion und soll jeden Ausschluss von der Blutspende verbieten, der sich auf die sexuelle Orientierung stützt. Zur Berichterstatterin wurde Taina Bofferding bestimmt, die die LSAP-Fraktion anführt.

Nach der Zusammenfassung der Kammer schreibt der Entwurf den Grundsatz fest, dass die Zulassungskriterien „einzig auf einer individualisierten medizinischen Bewertung von Risikoverhalten beruhen müssen und nicht auf der sexuellen Orientierung des Spenders“. Die Initiatoren verbinden damit zwei Ziele zugleich: einen chronisch knappen Spenderpool verbreitern und eine Regelung beseitigen, die Aktivisten seit Langem als Diskriminierung kritisieren. Der Entwurf befindet sich im Ausschussstadium; eine Abstimmung im Plenum steht noch aus, ein Inkrafttreten ist nicht terminiert.

Eine Frist, die die letzte Reform überdauert hat

Ein generelles Verbot gibt es in Luxemburg nicht, wohl aber eine fortbestehende Rücksperre. Bis 2021 fragte der Spenderfragebogen unmittelbar nach der sexuellen Orientierung und schloss Männer aus, die Sex mit Männern haben. Anfang 2021 verschwand diese Frage und wich einer Frage nach dem jüngsten Verhalten. Wer in den vorangegangenen zwölf Monaten Sex mit einem anderen Mann hatte, darf dennoch kein Vollblut spenden; ihm bleibt die Plasmaspende, die eingefroren und vor der Verwendung getestet wird.

„Wir fragen einen Spender nicht mehr, ob er homosexuell ist oder nicht. Das interessiert uns nicht. Es zählt, was er tut, nicht was er ist.“ – Anne Schumacher, medizinische Biologin und ärztliche Leiterin des Transfusionszentrums der Hauptstadt, 2022

Die Blutsammlung im Großherzogtum betreibt das Centre de Transfusion Sanguine der Croix-Rouge luxembourgeoise, des Luxemburger Roten Kreuzes. Rotes Kreuz und Gesundheitsministerium haben erörtert, die Tätigkeiten des Zentrums an eine öffentliche Einrichtung zu übertragen – auch, um die Ausschlusskriterien leichter überarbeiten und stärker auf eine individuelle Risikobewertung umstellen zu können.

Eine Regierung, die längst Bewegung versprochen hat

Dem parlamentarischen Vorstoß ist mehr als ein Jahr Druck auf die Regierungskoalition vorausgegangen. Auf eine parlamentarische Anfrage des Piraten-Abgeordneten Sven Clement räumte Gesundheitsministerin Martine Deprez von der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) Anfang 2025 ein, dass die Regeln überarbeitet würden. Clement hatte argumentiert, „die derzeitige Praxis des kategorischen Ausschlusses von Männern, die Sex mit Männern haben, kann als Diskriminierung gewertet werden“.

Deprez zeigte sich offen für eine Reform, ohne sich auf einen Zeitplan festzulegen. Das Thema werde direkt mit dem Roten Kreuz aufgegriffen, sagte sie den Abgeordneten: „Dieses Thema wird einer der Diskussionspunkte sein, die wir ab Januar im Detail mit dem Verantwortlichen des Roten Kreuzes erörtern werden.“ Bereits im Dezember 2024 hatte die Ministerin dem Parlament erklärt, schwule Männer würden eines Tages Blut spenden können; eine Verordnung befinde sich im Validierungsverfahren. Begleitet wird die Debatte von wiederholten Appellen des Roten Kreuzes wegen niedriger Blutreserven.

Im Gleichschritt mit Europa

Würde der Entwurf angenommen, schlösse Luxemburg zu Nachbarn auf, die das orientierungsbasierte Verfahren längst zugunsten eines verhaltensbasierten Modells aufgegeben haben:

  • Frankreich glich die Kriterien für Männer, die Sex mit Männern haben, am 16. März 2022 an die der übrigen Bevölkerung an und beendete jede Enthaltsamkeitsauflage, nachdem die Frist 2020 auf vier Monate gesenkt worden war. Bis dahin galt seit 1983 ein Ausschluss.
  • Deutschland stellte 2023 auf ein Screening um, das sich am individuellen Sexualverhalten orientiert und nicht an der Orientierung.
  • Belgien und mehrere andere Staaten führten als Zwischenschritt eine viermonatige Rücksperre ein.

Gemeinsam ist diesen Reformen die Abkehr von pauschalen Ausschlüssen, die daran anknüpfen, wer ein Spender ist – hin zu Fragen nach konkretem, kürzlich liegendem Verhalten, das ein Infektionsrisiko bergen kann. Genau diesen Ansatz will Lenerts Entwurf im luxemburgischen Recht verankern.

Befürworter verweisen darauf, dass Wissenschaft und Versorgungslage inzwischen in dieselbe Richtung deuten: Jeder durch eine Pauschalregel verlorene Spender ist eine Blutkonserve, die sich ein kleines Land mit knappen Reserven kaum leisten kann. Ob die Maßnahme das Plenum passiert und zu welchen genauen Bedingungen, ist noch offen. Vorerst bleibt die langjährige Rücksperre in Kraft – doch sie steht nun erstmals förmlich auf der parlamentarischen Tagesordnung, mit dem Ziel ihrer Abschaffung.

Häufig gefragt

Was sieht der Gesetzentwurf Nr. 8738 vor?
Er ändert das luxemburgische Transfusionsgesetz vom 15. März 1979 und verbietet jeden Ausschluss von der Blutspende, der sich auf die sexuelle Orientierung stützt. Über die Zulassung soll allein eine individualisierte medizinische Bewertung des Risikoverhaltens entscheiden.
Gilt die neue Regel schon?
Nein. Der Entwurf befindet sich im Ausschussstadium und muss noch im Plenum der Abgeordnetenkammer abgestimmt werden. Ein Datum für das Inkrafttreten gibt es nicht.
Welche Regel gilt derzeit in Luxemburg?
Seit Anfang 2021 fragt der Fragebogen nicht mehr nach der Orientierung. Wer jedoch in den letzten zwölf Monaten Sex mit einem anderen Mann hatte, darf kein Vollblut spenden, sondern nur Plasma, das eingefroren und vor der Verwendung getestet wird.
Wie haben andere Länder die Regeln geändert?
Frankreich glich die Kriterien am 16. März 2022 an die der übrigen Bevölkerung an, Deutschland stellte 2023 auf ein verhaltensbasiertes Screening um, Belgien und weitere Staaten führten eine viermonatige Rücksperre ein.
Quellen(11)
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  3. 3Le don du sang bientôt ouvert sans condition aux homosexuels ?Le Quotidien · lequotidien.lu
  4. 4Don du sang pour les homosexuels : le Luxembourg tempèreLe Quotidien · lequotidien.lu
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  7. 7Martine Deprez - Le gouvernement luxembourgeoisGovernment of Luxembourg · gouvernement.lu
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  9. 9Taina Bofferding mènera les socialistes à la ChambreL'essentiel · lessentiel.lu
  10. 10Les critères de don du sang par les HSH alignés sur le reste de la population mi-marsAPMnews · apmnews.com
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