Wohnungspolitik
474 Millionen Euro in einem Jahr: Luxemburgs Fonds für bezahlbaren Wohnraum verdoppelt seine Ausgaben
Der Spezialfonds für bezahlbaren Wohnraum hat 2025 so viel ausgegeben wie nie zuvor; 5.348 Wohnungen sind konventioniert. Doch die Wartelisten wachsen – und die Großprojekte laufen über Jahrzehnte.
Von Sophie Klein · · 5 Min. Lesezeit

So viel Geld wie nie zuvor – und dennoch werden die Wartelisten länger: Luxemburgs Spezialfonds für bezahlbaren Wohnraum (Fonds spécial pour le logement abordable) hat im Jahr 2025 insgesamt 474 Millionen Euro ausgegeben, mehr als das Doppelte der 224 Millionen Euro aus dem Vorjahr und die höchste Summe seiner Geschichte. Das geht aus dem Jahresbericht des Fonds hervor, den Wohnungsbauminister Claude Meisch am 2. Juli vorgestellt hat.
Das Ministerium spricht von einem finanziellen Engagement auf „historischem Niveau“. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 zählte der Fonds 5.348 sogenannte konventionierte Wohnungen – Einheiten, für die eine staatliche Fördervereinbarung unterzeichnet wurde –, verteilt auf rund 350 Projekte im ganzen Land. Allein 2025 kamen 1.293 Einheiten hinzu, wie L’essentiel und Paperjam unter Berufung auf den Bericht melden.
Die Rekordsumme trifft auf das drängendste soziale Problem des Großherzogtums: Nach dem Bericht „State of Housing in the EU 2025“ von Housing Europe warteten im vergangenen Jahr rund 6.000 Haushalte auf eine soziale Mietwohnung – fast doppelt so viele wie noch 2021.
Geld für Bauträger, Bauland und Gemeinden
Der Spezialfonds ist das zentrale Haushaltsinstrument, mit dem der Staat einen öffentlichen Wohnungsbestand aufbaut. Seine Mittel fließen als Objektförderung („aides à la pierre“) an die öffentlichen und gemeinnützigen Bauträger, die die Projekte umsetzen – die nationale Wohnungsbaugesellschaft SNHBM, den Fonds du Logement, die Gemeinden und anerkannte gemeinnützige private Träger –, daneben in direkte Ankäufe des Staates.
Nach der Aufschlüsselung von Paperjam entfielen 2025 unter anderem 73 Millionen Euro auf staatliche Grundstückskäufe und 25,69 Millionen Euro auf Zuweisungen aus dem Pacte logement 2.0 an 98 Gemeinden. Die Baulandreserve des Staates belief sich zum Jahresende auf 1.656 Ar (16,56 Hektar) – Potenzial für schätzungsweise 922 weitere Wohnungen. Vom konventionierten Bestand sind 64 Prozent für die erschwingliche Miete vorgesehen, 36 Prozent für den Verkauf.
Parallel läuft ein eigenständiges Instrument: das VEFA-Programm, über das der Staat Wohnungen vom Plan weg von privaten Bauträgern kauft. Eine offizielle Zwischenbilanz vom Dezember 2025 beziffert diesen Rahmen auf 480 Millionen Euro für rund 800 Wohnungen im Zeitraum 2024 bis 2027; zu jenem Stichtag waren 358 Einheiten für 221 Millionen Euro erworben und 127 weitere für 85 Millionen Euro reserviert, mit SNHBM und Fonds du Logement als sozialen Vermietern. Bis Ende 2025 hatte der Staat 460 VEFA-Wohnungen gekauft, bis Mitte 2026 waren mehr als 800 erworben oder reserviert. Das Ministerium bezeichnet das Programm als wichtigen Hebel der nationalen Wohnungspolitik: Es schaffe schnell Angebot und stütze zugleich einen Bausektor in anhaltender Flaute. Die 480 Millionen Euro dieses Programms sind dabei nicht mit den 474 Millionen Euro Fondsausgaben des Jahres 2025 zu verwechseln.
Das Ausgabenniveau soll auf Jahre hoch bleiben: Der Bericht prognostiziert bis 2029 jährliche Fondsausgaben von mehr als 475 Millionen Euro, mit einem Höchststand von 542 Millionen Euro im Jahr 2027. Die noch offenen finanziellen Verpflichtungen übersteigen bereits eine Milliarde Euro.
„Die Zahlen des Jahres 2025 spiegeln nicht nur ein außergewöhnliches Jahr wider, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung“, erklärte Meisch zur Vorstellung des Berichts.
Konventioniert heißt noch lange nicht bezugsfertig
Die Kennzahlen messen Förderzusagen, keine fertigen Wohnungen. Eine „konventionierte“ Einheit ist eine, für die eine Fördervereinbarung unterschrieben wurde; viele liegen Jahre von der Übergabe entfernt. Genau an dieser Lücke setzt die Kritik an. Paperjam bilanziert in seiner Analyse des Berichts: Der Staat investiere wie nie zuvor, doch die Zeit arbeite gegen ihn – denn die öffentlichen Leuchtturmprojekte, die die Pipeline tragen, sind auf Jahrzehnte angelegt.
- Neischmelz in Düdelingen, auf einem ehemaligen Stahlwerksgelände, ist mit 1.575 Wohnungen geplant – der Zeithorizont reicht bis 2044.
- Wunne mat der Wooltz in Wiltz umfasst mehr als 800 Wohnungen über rund 20 Jahre.
- Elmen in Kehlen, das Modell-Ökoviertel der SNHBM, ist ebenfalls auf über 800 Wohnungen in mehreren Bauphasen ausgelegt.
Zum Vergleich: Der erst im September 2025 vorgestellte Bericht für 2024 wies 4.226 konventionierte Wohnungen in 292 Projekten in 82 Gemeinden aus, bei Gesamtverpflichtungen von 669 Millionen Euro; tatsächlich ausgezahlt wurden in jenem Jahr 153,6 Millionen Euro an die sozialen Bauträger – 36,4 Prozent davon an die SNHBM, 29,7 Prozent an den Fonds du Logement, 19,9 Prozent an Gemeinden und 14 Prozent an gemeinnützige private Träger. Die Beschleunigung des Jahres 2025 ist real, doch sie startet von einem kleinen Bestand: Das nationale Register für erschwingliche Mietwohnungen RENLA – seit September 2025 die einheitliche nationale Warteliste, seit April 2026 online über MyGuichet.lu zugänglich – erschließt Antragstellern landesweit nur rund 3.500 erschwingliche Mietwohnungen, wie aus dem Regierungsportal Guichet.lu hervorgeht.
Der Bedarf läuft dem Angebot davon
Auf der anderen Seite der Rechnung wächst die Not weiter. Eine von Paperjam zitierte Studie des Thinktanks Improof zählte im März 2023 mehr als 5.500 Haushalte – über 15.400 Menschen – auf der Warteliste des Fonds du Logement, rund 40 Prozent mehr als 2021, bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 2,9 Jahren. Housing Europe beziffert die Warteliste für Sozialwohnungen 2025 auf etwa 6.000 Haushalte und stuft Luxemburgs Mangel an bezahlbarem Wohnraum als gravierend ein.
Die Fondation IDEA kommt in einer Analyse vom März 2026 unter dem Titel „Die permanente Wohnungskrise oder das Inakzeptable als Norm“ – verfasst vom leitenden Ökonomen Michel-Edouard Ruben – zu dem Schluss, dass das Land rund 6.000 neue Wohnungen pro Jahr braucht. Hohe Preise, geringe Bautätigkeit, gehortetes Bauland und langwierige Genehmigungsverfahren hätten die Krise längst strukturell werden lassen, obwohl der Staat bereits seit 1906 in den Wohnungsmarkt eingreift.
Meisch selbst räumt ein, dass seine Politik einen langen Atem verlangt. „Dank der Mobilisierung des Staates, der Gemeinden und all unserer Partner bauen wir Schritt für Schritt einen größeren, vielfältigeren und besser verteilten Bestand an bezahlbarem Wohnraum auf“, sagte er bei der Präsentation des Berichts. Schon zur Vorlage der Vorjahreszahlen im September 2025 hatte er bezahlbaren Wohnraum als „eine wesentliche Voraussetzung für die Stabilität und Attraktivität unseres Landes“ bezeichnet.
Der Bericht 2025 unterlegt diesen Anspruch mit einer harten Zahl: knapp eine halbe Milliarde Euro in einem einzigen Jahr. Ob daraus rechtzeitig Wohnungen für die Haushalte werden, die heute schon auf der Liste stehen, ist die offene Frage – beantworten müssen sie die Berichte der kommenden Jahre.
Häufig gefragt
- Was ist der Fonds spécial pour le logement abordable?
- Der Spezialfonds ist das zentrale Haushaltsinstrument des luxemburgischen Staates zum Aufbau eines öffentlichen Wohnungsbestands. Er finanziert Objektförderungen an öffentliche und gemeinnützige Bauträger wie SNHBM, Fonds du Logement, Gemeinden und anerkannte gemeinnützige Träger sowie staatliche Grundstückskäufe. 2025 gab er 474 Millionen Euro aus.
- Was bedeutet eine „konventionierte“ Wohnung?
- Eine konventionierte Wohnung ist eine Einheit, für die eine staatliche Fördervereinbarung unterzeichnet wurde. Sie zählt zur finanzierten Pipeline, ist aber nicht zwangsläufig fertiggestellt – viele Projekte liegen noch Jahre von der Übergabe entfernt. Ende 2025 zählte der Fonds 5.348 solcher Einheiten.
- Was ist das VEFA-Programm des luxemburgischen Staates?
- Über das VEFA-Programm kauft der Staat Wohnungen vom Plan weg von privaten Bauträgern. Für 2024 bis 2027 sind rund 800 Wohnungen mit einem Budget von 480 Millionen Euro vorgesehen; bis Mitte 2026 waren mehr als 800 Einheiten erworben oder reserviert. SNHBM und Fonds du Logement treten als soziale Vermieter auf.
- Wie viele Haushalte warten in Luxemburg auf eine bezahlbare Wohnung?
- Laut Housing Europe warteten 2025 rund 6.000 Haushalte auf eine soziale Mietwohnung – fast doppelt so viele wie 2021. Eine Improof-Studie zählte bereits im März 2023 über 5.500 Haushalte mit mehr als 15.400 Menschen auf der Warteliste des Fonds du Logement, bei durchschnittlich 2,9 Jahren Wartezeit.
Quellen(9)
- 1Au Luxembourg: L'État a mis 474 millions d'euros pour les logements abordablesL'essentiel · lessentiel.lu
- 2L'État investit comme jamais, mais le temps joue contre luiPaperjam · paperjam.lu
- 3Le gouvernement renforce son engagement pour le logement abordable: 4.226 logements inscrits au Fonds spécial pour le logement abordable en 2024Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg · gouvernement.lu
- 4Bilan intermédiaire du programme VEFAMinistère du Logement et de l'Aménagement du territoire / Gouvernement du Luxembourg · mlogat.gouvernement.lu
- 5Housing Crisis in Luxembourg Becoming Permanent, IDEA Analysis SuggestsChronicle.lu · chronicle.lu
- 6Number of people waiting for social housing up by 40%Paperjam (English) · en.paperjam.lu
- 7The State of Housing in the EU 2025 — Luxembourg country profileHousing Europe · housingeurope.eu
- 8Inscription en tant que candidat-locataire pour un logement abordable au registre national des logements abordables (RENLA)Guichet.lu — Luxembourg government · guichet.public.lu
- 9Logement abordable: l'inscription au RENLA désormais possible en ligne via MyGuichet.luMinistère du Logement / Logement.lu · logement.public.lu
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