Hitzewelle in Europa

36,3 Grad am Findel: Luxemburg erlebt heißesten Junitag seiner Messgeschichte

MeteoLux meldet vom Flughafen Findel einen neuen Junirekord. Während rote Warnstufen, gestörter Bahnverkehr und Notmaßnahmen den Kontinent prägen, bleibt die Spitze noch nicht erreicht.

Von Léa Hoffmann · · 5 Min. Lesezeit

Der Flughafen Luxemburg-Findel mit Start- und Landebahn, weißem Tower und automatischer Wetterstation in flimmernder Hitze an einem rekordheißen Junitag.
Der Flughafen Findel mit Tower und automatischer Wetterstation unter extremer Hitze — illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

So heiß war ein Junitag in Luxemburg seit fast acht Jahrzehnten nicht mehr. Am Donnerstag kletterte das Thermometer an der Wetterstation des Flughafens Findel auf 36,3 Grad Celsius — ein neuer Junirekord für die Station, an der seit 1947 ununterbrochen gemessen wird. Der nationale Wetterdienst MeteoLux bestätigte den Wert, während eine erbarmungslose Hitzewelle das Großherzogtum und weite Teile Westeuropas fest im Griff hielt.

Die Marke übertraf den bisherigen Junihöchstwert von 35,4 Grad, der am 22. Juni 2017 ebenfalls am Findel gemessen worden war. Damit ordnet sich Luxemburg in ein kontinentales Ereignis ein, das von der französischen Atlantikküste bis nach Südengland Bestmarken purzeln lässt. Begonnen hatte alles am Montag, dem 22. Juni: Mittags riefen die Behörden — mitten in die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag hinein — die rote Warnstufe „Vigilance" aus. MeteoLux verlängerte sie später bis in das Wochenende hinein.

Eine neue Bestmarke am Flughafen

Als Ursache nennt MeteoLux eine hartnäckige Hochdrucklage über Mitteleuropa, die sehr heiße Luft heranführt — bei kaum nächtlicher Abkühlung und so gut wie keinem Regen. Vorbei ist der Höhepunkt nach Einschätzung der Meteorologen noch nicht: Für Samstag werden bis zu 40 Grad erwartet, ehe von Sonntag an Regen und kühlere Atlantikluft Erleichterung bringen sollen. In der Folgewoche dürften die Tageshöchstwerte wieder unter die 30-Grad-Marke fallen.

Den absoluten nationalen Allzeitrekord, der während der Hitzewelle im Juli 2019 aufgestellt wurde, erreicht der Donnerstagswert nicht. Doch die Entwicklung der Juni-Extreme ist unübersehbar: Der Rekord von 2017 hatte seinerseits einen Wert von 34,3 Grad aus dem Juni 1947 abgelöst, und nun wurde die Latte binnen eines Jahrzehnts erneut angehoben. Jeder dieser Schritte fiel in ein wärmer gewordenes Grundklima.

Rekorde stürzen quer durch Europa

Luxemburgs Bestmarke ist nur eine von vielen. Frankreich verzeichnete in dieser Woche seinen heißesten je gemessenen Tag: Am 24. Juni lag das landesweite Mittel bei 30,0 Grad und übertraf damit die Werte vom Juli 2019 und vom August 2003. Im südwestfranzösischen Pissos wurden am 23. Juni 44,3 Grad gemessen. Rund drei Viertel des Landes standen unter roter Hitzewarnung, Hunderte Schulen blieben geschlossen, und mehrere Kernreaktoren drosselten ihre Leistung, weil sich die zur Kühlung genutzten Flüsse erwärmten. Die französischen Behörden bringen dutzende Todesfälle mit der Hitze und mit Ertrinkungsunfällen während der heißen Tage in Verbindung.

Im Vereinigten Königreich brachte die Hitzewelle mit 36,4 Grad in Yeovilton in der Grafschaft Somerset den heißesten je registrierten Junitag — einen Tag, nachdem im hampshireschen Gosport 36,1 Grad gemessen worden waren. Es war erst das zweite Mal in der britischen Geschichte, dass eine rote Hitzewarnung ausgegeben wurde. In der Schweiz erreichte Basel 38 Grad und übertraf damit einen langjährigen Rekord von 36,9 Grad. In Deutschland bot die Deutsche Bahn am 25. Juni kostenlose Stornierungen von Reservierungen an und riet wegen Hitze, Waldbrand- und Unwettergefahr von Reisen ab.

Diese Häufung von Rekorden trägt nach Einschätzung von Fachleuten die Handschrift einer sich erwärmenden Welt. Europa ist der am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde — seit den 1980er-Jahren rund doppelt so stark wie der globale Durchschnitt, wie der Klimawandeldienst Copernicus der EU mitteilt.

Der Klimawandel macht Hitzewellen häufiger, intensiver und lässt sie größere geografische Gebiete erfassen.

Diese Einordnung stammt von Samantha Burgess, Strategic Lead for Climate beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), das den Copernicus-Dienst betreibt.

Luxemburg im Krisenmodus

Im Inland wird die Reaktion vom Nationalen Krisenzentrum in Senningen aus gesteuert. Dort wurde ein gemeinsamer operativer Führungsstab aktiviert, der das Rettungs- und Feuerwehrkorps CGDIS, die Großherzogliche Polizei, die Gesundheitsdirektion, die Stadt Luxemburg, die Armee, das Hohe Kommissariat für nationalen Schutz und MeteoLux zusammenführt.

Die Gesundheitsdirektion rief die Bevölkerung — und besonders ältere Menschen, Säuglinge, allein lebende und chronisch kranke Personen — auf, die Hitze ernst zu nehmen. Zu ihren Empfehlungen zählen:

  • In kühlen oder klimatisierten Räumen bleiben und sich zwischen 11 und 21 Uhr nicht im Freien aufhalten.
  • Regelmäßig über den Tag verteilt ausreichend Wasser trinken (mindestens 1,5 Liter pro Tag).
  • Tagsüber die Rollläden geschlossen halten und nachts die Fenster öffnen.
  • Leichte Kleidung tragen, im Freien den Kopf bedecken und auf Alkohol verzichten.
  • Den Körper mehrmals täglich abkühlen und nach gefährdeten Angehörigen und Nachbarn sehen.

Krankenhäuser und Pflegeheime wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und personell verstärkt; diensthabende Ärztehäuser (maisons médicales) und der Notruf 112 blieben die ersten Anlaufstellen für Erkrankte.

Schutz für die Verletzlichsten

Am härtesten trifft es jene, die keinen kühlen Rückzugsort haben. Das Luxemburgische Rote Kreuz, das die nationalen Notunterkünfte betreibt, hält sein Nightshelter von 19 bis 9 Uhr geöffnet und stellt tagsüber das Bistrot Social „Am Haff" für Ruhe, Mahlzeiten, Duschen und sanitäre Einrichtungen bereit — Teil eines festen Hitzeplans für obdachlose und prekär wohnende Menschen.

Auch die Infrastruktur leidet unter der Hitze. Ein hitzebedingter Gleisschaden bei Berchem südlich der Hauptstadt führte am Montag, dem 22. Juni, zu schweren Störungen auf den Strecken Luxemburg–Esch-sur-Alzette–Rodange und Luxemburg–Thionville–Metz und ließ die Zahl der Züge deutlich schrumpfen. Reparaturen waren nur nachts möglich, wenn die Temperaturen weit genug fielen, um sicher arbeiten zu können. Die nationale Bahngesellschaft CFL erklärte, die Störungen würden anhalten — bis Donnerstag, den 25. Juni, um 12 Uhr — und riet Reisenden, in der Zwischenzeit die Trinkwasserbrunnen im Luxemburger Bahnhof zu nutzen.

Als der Rekord fiel, lag die ersehnte Abkühlung noch Tage entfernt. Die Verantwortlichen betonten, die Gefahr liege nicht allein im Spitzenwert, sondern in seiner Dauer: aufeinanderfolgende heiße Tage und warme Nächte, die weder Körper noch Gebäude zur Ruhe kommen lassen. Für Luxemburg waren die 36,3 Grad vom Donnerstag beides zugleich — eine Zahl in einer Statistik und eine Warnung vor den Sommern, die noch kommen.

Häufig gefragt

Wie heiß wurde es in Luxemburg im Juni 2026?
Am 25. Juni 2026 meldete MeteoLux an der Wetterstation des Flughafens Findel 36,3 Grad Celsius — der heißeste Junitag seit Beginn der durchgehenden Aufzeichnungen 1947 und ein neuer Junirekord für die Station.
War das der höchste je in Luxemburg gemessene Wert?
Nein. Es ist ein neuer Junirekord, liegt aber unter dem absoluten nationalen Allzeitrekord, der während der Hitzewelle im Juli 2019 aufgestellt wurde.
Welche Verhaltensregeln empfiehlt die Gesundheitsdirektion?
Empfohlen werden unter anderem: in kühlen Räumen bleiben und zwischen 11 und 21 Uhr nicht ins Freie, mindestens 1,5 Liter Wasser pro Tag trinken, tagsüber die Rollläden schließen und nachts lüften, leichte Kleidung, kein Alkohol und das Wohlergehen gefährdeter Angehöriger und Nachbarn im Blick behalten.
Wann normalisiert sich der Bahnverkehr nach den Hitzestörungen?
Die CFL teilte mit, die hitzebedingten Störungen auf den Strecken nach Esch-sur-Alzette, Rodange, Thionville und Metz würden bis Donnerstag, den 25. Juni, um 12 Uhr andauern.
Quellen(12)
  1. 1Canicule au Luxembourg: MeteoLux prolonge l'alerte rouge jusqu'à samediL'essentiel · lessentiel.lu
  2. 2Europe heat wave smashes France's and Spain's hottest days, UK's hottest June day twiceThe Weather Company (weather.com) · weather.com
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  12. 12Heatwave Plan: Protect yourself from hot days / SALU emergency shelterLuxembourg Red Cross · croix-rouge.lu

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