Verbraucherelektronik
Apple verteuert Mac und iPad – der KI-Boom treibt die Speicherpreise
Bis zu 400 Euro mehr für ein MacBook: Apple macht eine durch den KI-Ausbau ausgelöste Knappheit bei Speicherchips für die Aufschläge verantwortlich – auch in Luxemburg.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Wenn der Bau von KI-Rechenzentren bislang vor allem die Bilanzen von Cloud-Konzernen und Chipherstellern belastete, so landet ein Teil dieser Rechnung nun an der Ladentheke. Apple hat am Donnerstag die Preise für nahezu seine gesamte Mac- und iPad-Palette angehoben und teilte seinen Kunden mit, man könne die rasant gestiegenen Kosten für Speicherchips nicht länger selbst tragen. Der Schritt ist eines der deutlichsten Anzeichen dafür, dass der weltweite Wettlauf um KI-Infrastruktur inzwischen bei alltäglicher Verbraucherhardware ankommt – auch bei Käuferinnen und Käufern in Europa.
Die Aufschläge gelten seit dem 25. Juni unmittelbar und betreffen fast jede Konfiguration. In den Vereinigten Staaten stieg das Einstiegsmodell MacBook Neo von 599 auf 699 Dollar, das MacBook Air mit 512 GB von 1.099 auf 1.299 Dollar und das MacBook Pro mit 1 TB von 1.699 auf 1.999 Dollar. Das iPad Air mit 128 GB kletterte von 599 auf 749 Dollar, das iPad Pro mit 256 GB (Wi-Fi) von 999 auf 1.199 Dollar. Auch HomePod und Apple TV wurden teurer. Unangetastet blieb das iPhone, Apples wichtigste Einnahmequelle – Analysten rechnen allerdings damit, dass es im weiteren Jahresverlauf nachzieht.
Warum Apple die Aufschläge mit dem Bauteilemarkt begründet
Der Konzern stellte die Entscheidung als Reaktion auf einen außergewöhnlichen Engpass bei den Bauteilen im Inneren seiner Geräte dar – und räumte ein, dass die Nachricht unwillkommen sei.
Die rasante Expansion von KI-Rechenzentren hat zu einem außergewöhnlichen Nachfrageschub bei Arbeits- und Datenspeicher geführt. Wir haben noch nie erlebt, dass die Preise für ein Bauteil so stark und so schnell gestiegen sind.
Man habe „einen Punkt erreicht, an dem wir bei einer Reihe von Produkten mit Preiserhöhungen beginnen müssen", erklärte Apple und betonte zugleich, „unermüdlich nach Lösungen" zu suchen. Die Zahlen hinter dieser Warnung sind drastisch. Das Marktforschungsunternehmen TrendForce schätzt, dass die Vertragspreise für herkömmliches DRAM – den Arbeitsspeicher in Notebooks, Tablets und Servern – im ersten Quartal 2026 um bis zu 98 Prozent gestiegen sind und in diesem Quartal um weitere 58 bis 63 Prozent zulegen dürften. Für NAND-Flash-Speicher werden Aufschläge von bis zu 75 Prozent erwartet. Die Speicherhersteller verlagern ihre Kapazitäten zunehmend auf die margenstärkeren Serverchips, die KI-Anbieter so dringend benötigen, während sich Cloud-Konzerne den Nachschub über langfristige Verträge sichern.
Eine KI-Rechnung, die im Einzelhandel ankommt
Der Speicherspezialist Micron hat nach eigenen Angaben langfristige Lieferzusagen über rund 22 Milliarden Dollar von Kunden eingesammelt, die sich Chips sichern wollen, und erwartet keine Entspannung der Knappheit vor 2027. Auch nennenswerte neue Fertigungskapazitäten dürften nicht vor Ende 2027 entstehen.
An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Die Apple-Aktie verlor rund fünf Prozent – der schwächste Handelstag seit mehr als einem Jahr –, während Speicherzulieferer wie Micron mit Blick auf dauerhaft hohe Preise um etwa 15 Prozent zulegten. Auch Dell gab nach. Der Druck dürfte nach Einschätzung von Fachleuten nicht von kurzer Dauer sein.
„Das Speicherumfeld ist schwierig und bleibt auf absehbare Zeit strukturell schwierig", sagte Ben Bajarin, Vorstandschef des Forschungshauses Creative Strategies.
Was das für Käufer in Luxemburg und der Eurozone bedeutet
Für europäische Kundschaft zeigt sich dasselbe Muster, nur in Euro ausgewiesen. Nach den für europäische Märkte veröffentlichten Preisen beginnt das MacBook Neo nun bei 799 Euro (plus 100 Euro), das 13-Zoll-MacBook-Air bei 1.399 Euro (plus 200 Euro), das 14-Zoll-MacBook-Pro bei 2.199 Euro (plus 300 Euro) und das 16-Zoll-MacBook-Pro bei 3.399 Euro (plus 400 Euro). Im Einzelnen:
- iPad Air 11 Zoll: von 649 auf 799 Euro (plus 150 Euro)
- iPad Pro 11 Zoll: von 1.099 auf 1.299 Euro (plus 200 Euro)
- Mac mini M4 Pro: von 1.699 auf 1.899 Euro
- iMac: von 1.499 auf 1.799 Euro
- Speicher-Upgrade pro Stufe: von 200 auf 220 Euro
- Apple TV 4K (128 GB): von 189 auf 299 Euro (plus 110 Euro, rund 58 Prozent)
Weil Apple diese Produkte im gesamten Euroraum in Euro auszeichnet, treffen die Aufschläge Käuferinnen und Käufer in Luxemburg in identischer Höhe.
Apple steht damit nicht allein. Im selben Zeitfenster erhöhte Microsoft die Preise für die Xbox-Konsolen – die Series X steuert auf 800 Dollar zu –, Sony hob die PlayStation 5 bereits im April um 100 Euro an, auf 650 Euro für das Standardmodell, und Nintendo kündigte für die Switch 2 ab dem 1. September einen Aufschlag von über sechs Prozent an. Zusammengenommen deutet das darauf hin, dass die Speicherknappheit zu einer breiten Abgabe auf Unterhaltungselektronik wird – und nicht das Problem eines einzelnen Konzerns bleibt.
Für manche Beobachter geht die Ära der kaum spürbaren, geringfügigen Preisanpassungen zu Ende.
„Ich glaube, die Zeiten von Preiserhöhungen um 50 Dollar sind vorbei", sagte Nabila Popal, Analystin beim Marktforscher IDC, die im weiteren Jahresverlauf weitere Aufschläge bei Apple erwartet – möglicherweise auch beim iPhone, mit bis zu 200 Dollar. Für Luxemburger Haushalte, die ohnehin mit hohen Lebenshaltungskosten zurechtkommen müssen, lautet die Botschaft: Der Preis des KI-Booms bleibt nicht länger auf die Rechenzentren der Konzerne beschränkt – er taucht jetzt an der Kasse auf.
Häufig gefragt
- Um wie viel werden Mac und iPad in der Eurozone teurer?
- Die Aufschläge reichen von 100 bis 400 Euro. Das MacBook Neo startet nun bei 799 Euro (plus 100), das 14-Zoll-MacBook-Pro bei 2.199 Euro (plus 300) und das 16-Zoll-MacBook-Pro bei 3.399 Euro (plus 400). Das iPad Air 11 Zoll steigt um 150 Euro, das iPad Pro um 200 Euro. Da Apple im gesamten Euroraum in Euro auszeichnet, gelten diese Preise auch in Luxemburg.
- Warum erhöht Apple die Preise?
- Apple verweist auf einen außergewöhnlichen Nachfrageschub bei Speicherchips infolge des KI-Datacenter-Booms. Die Hersteller verlagern Kapazitäten auf margenstärkere Serverchips, Cloud-Konzerne sichern sich Nachschub über langfristige Verträge. Laut TrendForce stiegen die DRAM-Vertragspreise im ersten Quartal 2026 um bis zu 98 Prozent.
- Wird auch das iPhone teurer?
- Vorerst nicht. Das iPhone, Apples wichtigste Einnahmequelle, blieb von den aktuellen Erhöhungen ausgenommen. Analysten wie Nabila Popal von IDC erwarten jedoch, dass Apple im weiteren Jahresverlauf nachzieht – möglicherweise mit Aufschlägen von bis zu 200 Dollar beim iPhone Pro.
- Wie lange dürfte die Speicherknappheit anhalten?
- Der Speicherspezialist Micron rechnet mit einer Knappheit mindestens bis 2027. Nennenswerte neue Fertigungskapazitäten werden nicht vor Ende 2027 erwartet, weshalb Fachleute von einem strukturell schwierigen Speichermarkt auf absehbare Zeit ausgehen.
Quellen(8)
- 1Apple raises prices of MacBooks, iPads as memory costs skyrocket (Reuters)Reuters via Investing.com · investing.com
- 2Apple raises MacBook, iPad prices by hundreds of dollars as memory costs biteReuters via The Globe and Mail · theglobeandmail.com
- 3Apple increases prices for Macs and iPads, blaming a shortage of memory chipsAssociated Press via The Washington Times · washingtontimes.com
- 4AI boom sends Xbox, Mac and iPad prices soaringEuronews · euronews.com
- 5AI Server Demand to Drive Memory Contract Price Increases in 2Q26TrendForce · trendforce.com
- 6DRAM prices predicted to jump 63% in Q2, NAND up to 75% — follows ~95% jumps in Q1Tom's Hardware · tomshardware.com
- 7Apple Price Hike in 2026: How Much More Expensive the MacBook, iPad and Apple TV Are NowBasic Tutorials · basic-tutorials.com
- 8Apple posts worst day in over a year after MacBook and iPad price hikesCNBC · cnbc.com
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