Iran nach dem Krieg
Iran richtet tagelanges Staatsbegräbnis für Khamenei aus – Nachfolger Mojtaba fehlt
Vier Monate nach dem Tod des Obersten Führers bei US-israelischen Angriffen wird ein fast einwöchiges Staatsbegräbnis zur Machtdemonstration – ohne den designierten Nachfolger Mojtaba.
Von Léa Hoffmann · · 4 Min. Lesezeit

Es ist ein Abschied, der vor allem eine Botschaft transportieren soll: Der Staat übersteht den Tod seines mächtigsten Mannes. Seit dem 3. Juli inszeniert die Islamische Republik ein fast einwöchiges Staatsbegräbnis für ihren getöteten Obersten Führer Ali Khamenei und verwandelt Teheran in die Bühne einer minutiös geplanten Trauerfeier. Vier Monate nach seinem Tod geht es weniger um einen Moment der Unsicherheit als um den Nachweis, dass die Nachfolge längst geregelt ist – und die Führung sich ungebrochen zeigen will.
Khamenei, der Iran seit 1989 geführt hatte, wurde nach Berichten von Al Jazeera und anderen Medien am 28. Februar zu Beginn des Iran-Kriegs 2026 bei US-israelischen Luftangriffen getötet. Die Regierung bestätigte seinen Tod am 1. März und ordnete eine vierzigtägige Staatstrauer an. Sein Leichnam war zunächst im großen Gebetskomplex Imam-Chomeini-Mosalla in der Hauptstadt aufgebahrt, bevor ihn ein Trauerzug über fünf Städte in zwei Ländern führen soll.
Ein Trauerzug über fünf Städte
Die Zeremonien sind als Aufmarsch der Massen angelegt. Trauernde füllten das Mosalla, schlugen sich an die Brust und riefen «Rache, Rache» sowie «Tod Amerika», viele trugen rote Fahnen – im schiitischen Ritus ein Symbol der Vergeltung, wie CBS News und Al Jazeera berichten. Iranische Stellen sagten landesweit bis zu 30 Millionen Teilnehmer voraus; andere Schätzungen gehen von 15 bis 20 Millionen aus. Es wäre das größte Staatsbegräbnis in der Geschichte des Landes.
Der Kondukt soll von Teheran in das Klerikerzentrum Ghom ziehen, weiter zu den irakischen Schreinstädten Nadschaf und Kerbela und schließlich zur Bestattung am Imam-Reza-Schrein im nordöstlichen Maschhad. An der Eröffnung nahmen Vertreter von mehr als hundert Staaten teil, darunter mindestens acht Staats- und Regierungschefs sowie ein Dutzend Parlamentspräsidenten – unter ihnen Pakistans Premier Shehbaz Sharif, Russlands Dmitri Medwedew und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan.
Wir sind nicht zur Beisetzung gekommen, sondern zur Vergeltung.
Der Ruf eines Trauerredners im großen Mosalla traf den trotzigen Ton einer Veranstaltung, die ebenso sehr dem in- und ausländischen Publikum gilt wie der Trauer. «Wir warnen die Feinde Irans, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeder Fehlkalkulation», sagte der hohe Militärkommandeur Ali Abdollahi laut Al Jazeera.
Eine dynastische Nachfolge unter Druck
Das auffälligste Merkmal des Abschieds ist, wer fehlt. Mojtaba Khamenei, Sohn des getöteten Führers und einst Figur der Revolutionsgarden, wurde am 9. März vom Expertenrat zum dritten Obersten Führer Irans ernannt – jenem 88-köpfigen Klerikergremium, das die Verfassung mit der Wahl des Amtes betraut. Seither ist er nicht öffentlich aufgetreten und nimmt auch am Begräbnis seines Vaters nicht teil; Berichten zufolge wird er aus Sicherheitsgründen ferngehalten, nachdem Israel gedroht hatte, ihn ins Visier zu nehmen.
Mojtaba soll bei denselben Angriffen am 28. Februar verwundet worden sein, die seinen Vater, seine Mutter und seine Frau töteten. Er kommuniziere nur noch über schriftliche Erklärungen, die iranische Medien verbreiten, meldet Radio Free Europe/Radio Liberty. Seine Unsichtbarkeit erschwert ein Schauspiel, das eigentlich Stabilität an der Spitze signalisieren soll.
Auch die Nachfolge selbst war umstritten. Nach Artikel 111 der Verfassung übernahm am 1. März zunächst ein interimistischer Führungsrat, dem Präsident Masoud Pezeshkian, der Justizchef und ein hochrangiger Geistlicher des Wächterrats angehörten. Der Expertenrat tagte Anfang März – erst online, dann in Präsenz – und setzte Mojtaba ein. Die New York Times berichtete, er habe 59 von 88 Stimmen erhalten, über der erforderlichen Zweidrittelmehrheit; andere Medien nannten abweichende Zahlen. Als mögliche Alternativen gehandelt worden waren Ex-Präsident Hassan Rohani und Hassan Chomeini, ein Enkel des Republikgründers. Berichte über Druck der Revolutionsgarden auf Ratsmitglieder und einen Teilboykott einer Sitzung unterstrichen das Unbehagen darüber, den Sohn des Vorgängers zu installieren.
- Gesichert: Khamenei ist tot; Mojtaba ist förmlich zu seinem Nachfolger ernannt.
- Offen: ob ein Führer, der öffentlich nicht in Erscheinung tritt, seine Autorität gegenüber rivalisierenden Machtzentren durchsetzen kann.
Was auf dem Spiel steht: Atomstreit, Region, Öl
Ein Führungswechsel an der Spitze der Islamischen Republik reicht weit über Iran hinaus. In der Atomfrage ist das Bild bewusst diffus. Teheran teilte der Internationalen Atomenergiebehörde im Februar mit, die üblichen Kontrollen seien inmitten des Krieges «rechtlich unhaltbar und materiell undurchführbar»; die Behörde kann nach eigenen Angaben Irans Anreicherung nicht mehr überprüfen und den Bestand nicht mehr erfassen – Hinweise auf eine aktive Waffenherstellung gebe es allerdings nicht. Vor dem Krieg hatte die IAEA dokumentiert, dass Iran große Mengen auf 60 Prozent angereichertes Uran ansammelte, nahe an Waffenqualität.
Die Gespräche zwischen den USA und Iran ruhten während der Begräbniswoche. Analysten zufolge ist die Atomfrage weitgehend vertagt; im Vordergrund steht vorerst die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Entsprechend heftig schlugen die Energiemärkte aus: Die Nordseesorte Brent sprang Anfang März auf rund 80 Dollar je Barrel und überschritt zeitweise 100 Dollar, als der Schiffsverkehr durch die Meerenge gestört war – ein Schock, den die Internationale Energieagentur zu den größten der Ölmarktgeschichte zählte. Auf Hoffnungen auf eine Waffenruhe fiel der Preis anschließend um rund 20 Prozent vom Höchststand des Jahres 2026. Nach einer Übereinkunft Ende Juni, die Kampfhandlungen zu beenden und die freie Durchfahrt wiederherzustellen, pendelte Brent sich bei etwa 72 Dollar ein.
Vorerst bietet das Begräbnis dem Establishment eine Bühne, um zu beteuern, dass das System jeden Einzelnen überdauert. «Das edle und tief verwurzelte iranische Volk … wird das Blut seines Führers nicht preisgeben», sagte Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Ob diese zur Schau gestellte Einheit die Ankunft eines ungesehenen neuen Obersten Führers übersteht, ist die Frage, die keine Inszenierung beantworten kann.
Häufig gefragt
- Wann und wie starb Ali Khamenei?
- Khamenei, seit 1989 Oberster Führer Irans, wurde nach Berichten von Al Jazeera und anderen Medien am 28. Februar 2026 zu Beginn des Iran-Kriegs bei US-israelischen Luftangriffen getötet. Die Regierung bestätigte seinen Tod am 1. März.
- Wer ist Irans neuer Oberster Führer?
- Der Expertenrat ernannte am 9. März Mojtaba Khamenei, den Sohn des getöteten Führers und früheren Figur der Revolutionsgarden, zum dritten Obersten Führer. Er erhielt laut New York Times 59 von 88 Stimmen.
- Warum nimmt Mojtaba Khamenei nicht am Begräbnis teil?
- Er ist seit seiner Ernennung nicht öffentlich aufgetreten und soll bei den Angriffen am 28. Februar verwundet worden sein. Berichten zufolge wird er aus Sicherheitsgründen ferngehalten, nachdem Israel gedroht hatte, ihn anzugreifen.
- Welche Folgen hat der Machtwechsel für die Ölmärkte?
- Wegen der Störungen in der Straße von Hormus sprang Brent Anfang März auf rund 80 Dollar und zeitweise über 100 Dollar. Nach einer Übereinkunft Ende Juni zur freien Durchfahrt pendelte sich der Preis bei etwa 72 Dollar ein.
Quellen(12)
- 1Iran confirms Supreme Leader Ali Khamenei dead after US-Israeli attacksAl Jazeera · aljazeera.com
- 2Dayslong funeral for slain Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei begins in TehranNPR · npr.org
- 3Iran's Khamenei funeral: Which world leaders are attending?Al Jazeera · aljazeera.com
- 4U.S.-Iran Latest: Mourners chant for revenge as Iran begins dayslong funeral of slain supreme leaderCBS News · cbsnews.com
- 5Still No Sign Of Supreme Leader As Iran Kicks Off Funeral Rites For KhameneiRFE/RL · rferl.org
- 62026 Iranian supreme leader electionWikipedia · en.wikipedia.org
- 7State funeral of Ali KhameneiWikipedia · en.wikipedia.org
- 8Ayatollah Khamenei Funeral: What We KnowNewsweek · newsweek.com
- 9Iran Prepares for Week of Funeral Processions for Ayatollah Ali KhameneiTIME · time.com
- 10Oil prices rise as U.S. and Iran reach deal to halt attacks, U.S. oil above $70 per barrel againCNBC · cnbc.com
- 11Oil drops 20% from 2026 peak on optimism over U.S.-Iran ceasefire talksCNBC · cnbc.com
- 12Tehran Begins Multi-Stage Funeral for Khamenei; Successor Mojtaba Remains AbsentIranWire · iranwire.com
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